PHYSICIAN ASSISTANT
Der Beruf des Physician Assistant (PA) ist ein innovativer akademischer Gesundheitsberuf, der sich durch eine enge Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten auszeichnet. PAs übernehmen delegierte medizinische Aufgaben und tragen damit maßgeblich zur Entlastung des ärztlichen Personals bei, was insbesondere angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels im Gesundheitswesen von großer Bedeutung ist. Sie fungieren als Bindeglied zwischen Ärzteschaft, Pflegepersonal und Patienten und leisten so einen wertvollen Beitrag zur Steigerung der Versorgungsqualität.¹ Inzwischen hat sich dieser Beruf in mehr als 50 Ländern etabliert und ist fester Bestandteil zahlreicher Gesundheitssysteme, darunter in Deutschland, Kanada, den Niederlanden und Großbritannien.²

Aufgabenbereich
Das Aufgabenspektrum eines PAs ist breit gefächert und umfasst vielfältige klinische sowie organisatorische Tätigkeiten. Zu den Kernaufgaben gehören die Erhebung der Anamnese und die Durchführung körperlicher Untersuchungen, ebenso wie die Unterstützung bei diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen, wozu auch Routineaufgaben wie Blutabnahmen oder die Wundversorgung zählen.¹ PAs wirken zudem bei spezifischen medizinischen Tätigkeiten mit, etwa beim Schreiben und Befunden von EKGs, die Interpretation von Röntgenbildern gemeinsamen mit Ärzten oder das Legen intravenöser Zugänge. Sie assistieren auch bei invasiven Eingriffen wie Pleura- oder Aszitespunktionen.³ Ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit besteht in der Übernahme von Aufgaben, die traditionell von Ärzten ausgeführt werden, darunter die Diagnosestellung, die Behandlung von Patienten sowie präventive Maßnahmen.² Die endgültige Entscheidung über die Therapie verbleibt dabei stets beim Arzt. Durch diese Tätigkeiten tragen sie dazu bei, die Arbeitslast von Ärzten zu verringern und den Zugang zur Gesundheitsversorgung zu verbessern.³ Darüber hinaus spielen PAs eine zentrale Rolle in der Kommunikation und Organisation. Sie sind feste Ansprechpartner für Patienten und deren Angehörige, insbesondere wenn Ärzte durch Untersuchungen oder Eingriffe verhindert sind. Gleichzeitig unterstützen sie das Pflegepersonal.³ Häufig sind PAs auch in das Qualitätsmanagement eingebunden, um Prozesse im Gesundheitswesen zu optimieren.¹
Kompetenzen
Das Kompetenzprofil eines PAs umfasst fundiertes medizinisches Fachwissen, gepaart mit ausgeprägten kommunikativen und organisatorischen Fähigkeiten. Sie müssen in der Lage sein, im Rahmen der ärztlichen Delegation eigenverantwortlich zu handeln, komplexe medizinische Zusammenhänge zu verstehen und interdisziplinär zu agieren. Diese Fähigkeiten entwickeln sie durch die Verknüpfung von praktischer Erfahrung mit einer fundierten theoretischen Ausbildung im Studium.¹ Studien belegen, dass PAs eine mit Ärzten vergleichbare Qualität und Sicherheit der Versorgung gewährleisten können. Durch ihren Einsatz kann die Patientenzufriedenheit sogar verbessert werden.⁴ Trotz ihrer zunehmenden Relevanz stehen PAs jedoch weiterhin vor Herausforderungen wie einer begrenzten internationalen Anerkennung und einer geringen Sichtbarkeit in der akademischen Forschung.²

Quellen:
¹ Lichtinger, T. (2022). Physician Assistant – ein innovativer akademischer Gesundheitsberuf. In Krauss, S., Plugmann, P. (Hrsg.), Innovationen in der Wirtschaft (S. 263–268). Springer Gabler. https://doi.org/10.1007/978-3-658-37411-2_16
² Rick, T. J. & Ballweg, R. (2017). Physician Assistants and the Expanding Global Health-Care Workforce. American Journal of Tropical Medicine and Hygiene, 97(3), 643–644. https://doi.org/10.4269/ajtmh.17-0176
³ Schlenker, V., Droesch, S. & Thalheimer-Kunz, C. (2017). Physician Assistants – die Neuen im Ärzteteam. Deutsches Ärzteblatt, 114(26). https://www.aerzteblatt.de/archiv/pdf/7d02f591-b850-4338-a239-ba93e1a8ae4e
⁴ Timmermans, M. J. C. et al. (2017). The impact of the implementation of physician assistants in inpatient care: A multicenter matched-controlled study. PLoS ONE, e0178212. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0178212